Von hier aus ging es in die Übung 6 über, welche sich der Modellierungssoftware SketchUp widmete. Diese zeichnet sich aus durch gute Zugänglichkeit und erfreulich intuitive Bedienung, die jedoch manchmal durch ein mitunter überaktives Punktefangsystem in Fitzeleien ausartet. In diese Software wurde der Grundrissplan – welcher bereits im Layout zu Übung 5 Anwendung fand – eingeladen, und erhielt mit dem (häufig gebrauchten) Drücken/Ziehen-Befehl eine zusätzliche Höhendimension. Zur Wahrung der korrekten Größenverhältnisse bewährte es sich hierbei, den Fußgänger – der auf jeder neu erstellten Arbeitsfläche vorzufinden ist – als ungefähren Richtwert beizubehalten. An dieser Stelle teilte ich mit meiner Partnerin in dieser und der letzten Übung die Arbeit auf: Mir fiel die Nordseite des Klemmhofs zu, ihr die Südseite.
Auf diese flachen Fassaden wurden nun ihrer Position entsprechend die in Übung 5 erstellten Texturen aufgetragen (Schaltfläche „Materialien“ – „Material erstellen“ – „Nach Materialbilddatei suchen“ – Mit Farbeimer auftragen). Mit der rechten Maustaste lässt sich ein Kontextmenü aufrufen, an dessen Ende sich ein Befehl verbirgt, mit dem sich die Textur über „Pins“ an den Ecken der betreffenden Fläche fixieren lässt. Auch rotieren und verzerren lässt sie sich, so dass dem gewünschten Erfolg oft etwas Herumprobieren vorausgeht. Um eine bessere Plastizität der Fassadenoberfläche zu erreichen, wurde die Textur zugleich als Orientierung genutzt, um Ein- und Ausbuchtungen auf der Fassade zu betonen: So wurden mit dem Stift z.B. Fenster nachgefahren und über die Schaltfläche Drücken/Ziehen abgesenkt, während Vorsprünge herausgezogen wurden.
Die Gestaltung der Dächer geschah nach Augenmaß, weshalb dort schon in der Aufgabenstellung ein gewisser Abstraktionsgrad zugestanden wurde. Die Giebeldächer waren weniger problematisch: Eine Mittellinie auf der Oberseite des Baukörpers, an deren Anfang und ende wiederum zwei vertikale Konstruktionslinien genügte bereits, um ein passables Giebeldach zu konstruieren. Jedoch gab es auch Fälle (s.u.), in denen dies durch ungewöhnliche Dachformen nicht praktizierbar war. Insbesondere der unten gezeigte Fall erforderte eine Vielzahl an Arbeitsschritten, bis die sehr verwinkelte Bedachung annäherungsweise rekonstruiert war. Schließlich wurden die Dächer mit passenden Texturen überzogen (zum Teil eigens ergänzt).
An dieser Stelle fügte ich meinen Anteil mit dem zusammen, den meine Partnerin in der Zwischenzeit erarbeitet hatte. Hierzu importierte ich den Grundrissplan des Klemmhofs erneut, um eine Grundlage zur Orientierung zu haben, mit der ich den neu hinzugekommenen Anteil meiner Partnerin korrekt ausrichten konnte. Anschließend blendete ich vorübergehend beide Blöcke aus, und erstellte auf Grundlage des Grundrissplanes ein rudimentäres Wegenetz. Dieses wurde mit einer vorgegebenen Textur eines Kopfsteinpflasters versehen, und mit weiteren Vegetationselementen und Passanten angereichert, die sich jeweils lose an den Basisfotografien orientierten. Ferner wurden noch ästhetische Korrekturen vollzogen, wie beispielsweise das Ausblenden bzw. löschen von störenden Konstruktionslinien bei den Häuserfassaden.
Da das Soldatendenkmal als Modell zu rekonstruieren wohl zu schwierig und zeitaufwändig geworden wäre, schlug ich stattdessen einen anderen Weg ein: Ich schnitt aus einem Basisfoto den Reiter mit seinem Pferd aus, lud ihn in PhotoShop, und bereinigte diesen Ausschnitt von allen Störelementen, bis der Reiter nur noch von weiß umgeben war. Anschließend exportierte ich das Bild mit dem Farbton weiß als volltransparenten Farbwert, und importierte dieses wiederum in SketchUp, wo es vom Start weg auf einer frei verschieb- und verzerrbaren Ebene abgebildet wurde. Dieses montierte ich auf dem zuvor konstruierten Sockel:
Nun wurde es an der Zeit, die Realität mit dem virtuellen Pendant zu vergleichen: Aus dem Fundus an Basisfotografien wurden einige günstige Winkel ausgesucht, das Blickfeld im Modell entsprechend platziert, und die Darstellung als Bilddatei exportiert. Dieser Schritt wurde fünfmal wiederholt, die reale Fotografie und 3D-modelliertes Abbild paarweise auf einem Planlayout angeordnet. Abgerundet wurde die Darstellung durch eine Großaufnahme, die den rekonstruierten Klemmhof aus erhöhtem Blickwinkel zeigt. Das unten abgebildete Layout (hier zusätzlich als PDF: Klicken zum Downloaden) wurde dann auch letztlich als geplotteter Plan eingereicht, nebst einer komplementären CD.
Zum Abschluss sei zu sagen, dass die Übung – so frustrierend und zeitraubend manche Arbeitsschritte auch gewesen sein mögen – sich durchaus auch mit gewisser Kurzweil bearbeiten ließ. Besonders SketchUp überraschte mit einer einfachen Benutzerführung, die im Vergleich zu Monstrositäten wie AutoCAD geradezu schlicht daherkommt, und sich bei der Auswahl der Werkzeuge auf Wesentliches beschränkt. Dennoch ließen sich damit bereits nach kurzer Einarbeitungszeit ansprechende Ergebnisse erzielen, weshalb sich dieses Programm insbesondere für schnelle Entwurfsarbeiten eignen düfte. Die massiven Retuscharbeiten stellten wohl den unangenehmsten Teil der Arbeit dar – insbesondere Geäst vor Fensterglas erwies sich als echtes Problem. Die Modellierung hingegen war sehr motivierend, zumal hierzu die Abgabefrist recht human ausgelegt wurde. Insgesamt also eine Übung, von deren Sorte es ruhig noch mehr geben darf.
Gut schaff’!





